Nachlese
© Deutsch-Europäisches Bildungswerk in Hessen, Friedrichstraße 35, 65185 Wiesbaden – 2019

Deutsch-Europäisches Bildungswerk in Hessen e.V. besuchte das Baltikum

Freude in Lettland an deutscher Tradition, Kultur und Sprache

Die Suche nach Spuren der deutsch-baltischen Geschichte und die Frage nach dem künftigen Umgang mit dem historischen Erbe der Deutschbalten in Lettland und der aktuellen deutschen Minderheit in diesem osteuropäischen Land standen im Mittelpunkt einer einwöchigen Seminarreise des Deutsch-Europäischen Bildungswerks e.V. in Hessen, die nach Riga ins Baltikum führte. So ging es dann auch bei den höchst interessanten Vortragsthemen sowohl um die Wurzeln der lettischen Identität und die Folgen des sogenannten Ribbentrop-Molotow-Paktes von 1939/1940, als auch der derzeitigen Lage der deutschen Minderheit in Lettland und die zukünftige Bewahrung und Pflege der deutschen Kultur und Tradition sowie deren möglicher Bedeutung für eine gemeinsame europäische Erinnerung. Das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat unterstützt diese Seminarreisen aus der Reihe „Begegnung und Verständigung“ seit vielen Jahren und verbindet damit ihr Anliegen auf den Erhalt des Interesses für die Geschichte und gegenwärtige Lage von Deutschstämmigen außerhalb unserer heutigen Landesgrenzen. An dem Seminar nahmen 34 Teilnehmer aus allen Teilen des Bundesgebietes teil und erlebten ein interessantes und abwechslungsreichen Programm unter Leitung von Siegbert Ortmann (Lauterbach), dem Landesvorsitzenden des Bundes der Vertriebenen in Hessen, sowie Hubert Leja, dem Geschäftsführer des Reiseveranstalters, dem Deutsch- Europäischen Bildungswerk in Hessen e.V. Im Rahmen dieser Veranstaltung hatten die Teilnehmer Gelegenheit, den einzigartigen Kulturraum von Lettland durch gut ausgewählte Besichtigungen von historischen Stätten, von gegenwärtigen gesellschaftlichen Einrichtungen und Institutionen sowie von den heutigen Zentren der deutschen Minderheit kennenzulernen und dabei interessante Erfahrungen zu machen. Zwar ist seit der zweiten Unabhängigkeit Lettlands zu Beginn der 90er Jahre hinaus der deutsche Anteil an der Gesamtbevölkerung auf niedrigem Niveau stagniert, geblieben sind dagegen die vielen kulturellen Relikte und Einflüsse der Vergangenheit, mit denen man in diesem Land recht gut umzugehen weiß. Und das konnten die Seminarteilnehmer bei den Besuchen des im Jahre 1790 errichteten Gutshauses zu Spahren mit der nahegelegen evangelischen Kirche, der Begegnung im Handwerkshaus Ventspils, dem renovierten ältesten Schulgebäude des Herzogtums Kurland, einem ehemaligen feudalem Staatswesen im Baltikum oder bei der Besichtigung des Stadtmuseums des bekannten Ostseebadeortes Jurmala recht gut erfahren. Darüber hinaus gaben der Besuch des Lettischen Okkupationsmuseums in Riga mit dem eindrucksvollen Vortrag des Museumsleiters Prof. Dr. Valters Nollendorfs sowie der Empfang im Rathaus von Riga dieser Seminarveranstaltung eine besondere Qualität. Den thematischen Höhepunkt des verständigungs - politischen Seminars bildete nach einhelliger Meinung der Teilnehmer der Besuch des Lettisch-Baltischen Zentrum „Domus Rigensis“ im Haus Metzendorff in Riga mit dem begeisternden Vortrag von Ilze Garda, der jungen Vorsitzenden des Verbandes der Deutschen in Lettland, der Dachorganisation der deutschen Minderheiten in ganz Lettland. Sie machte mit ihren Ausführungen die allgegenwärtige Freude in Lettland an deutscher Tradition, Kultur und Sprache aber auch den Aufbruch in eine offene und friedliche Zukunft im geeinten Europa mehr als deutlich. Auch die komplizierte Geschichte Lettland mit seiner russischsprachigen Minderheit waren immer wieder Gegenstand bei den Diskussionen. Dabei wurde des öfteren mit einer gewissen Sorge auf die aktuelle politische Situation im Baltikum und das Verhältnis zu Russland hingewiesen. Bei der Zusammenfassung und Bewertung der Ergebnisse am Ende der einwöchigen Veranstaltung konnte Seminarleiter Siegbert Ortmann voller Zufriedenheit feststellen, dass der vorgesehene „geschichtliche Erfahrungsaustausch zwischen Letten und Deutschen als Grundlage für die Zusammenarbeit“ durchaus gelungen war und die Teilnehmer viele Informationen über Lettland und von den zahlreichen Begegnungen sogar herzliche menschliche Erlebnisse mitnehmen konnten. Juli 2019 Bilder: Michael Gediga
Seminarteilnehmer auf den Stufen des Herrenhauses vom Gut Spahren
Reisegruppe vor dem historischen Schwarzhäupterhaus in Riga
Vor dem Dom zu Riga, der größten Kirche des Baltikums.
Seminarleiter Siegbert Ortmann bedankt sich bei Ilze Garda, der jungen Vorsitzenden des Verbandes der Deutschen in Lettland für ihre Rede.
Die Reisegruppe beim Besuch im Rathaus von Riga.